Anleihen: Kevin Warsh trotzt US-Präsident


Dass sich der neue US-Notenbankchef gegen Donald Trump gestellt und die Leitzinsen angehoben hat, kommt gut an. Statt weiter steigender Renditen ging es sogar nach unten. Im Corporate-Bereich ist BayWa großes Thema.
18. September 2026. FRANKFURT (Deutsche Börse). So hoch wie viele Jahre oder gar Jahrzehnte nicht sind die Renditen vieler Staatsanleihen diese Woche gestiegen. Die Gründe: die anziehende Inflation in Folge des Irankriegs, höhere Leitzinsen und Sorgen über die vielerorts extrem hohe Staatsverschuldung. Zuletzt ging es aber wieder etwas nach unten: „Durch die demonstrative Zinserhöhung der Federal Reserve beruhigten sich die US-Anleihemärkte etwas“, berichtet Commerzbank-Analyst Pascal Reichert.
Am Mittwoch hat die US-Notenbank unter ihrem neuen Chef Kevin Warsh die Leitzinsen angehoben und auch klare Signale in Richtung weiterer Erhöhungen gesendet. „Die US-Notenbank hat ihre Unabhängigkeit gestärkt und gleichzeitig an Glaubwürdigkeit gewonnen“, erklärt Raffaele Antacido, der für die ICF Bank Anleihen handelt. „Die Fed widersetzte sich damit Trump, der Zinsen im Bereich von 1 Prozent oder darunter fordert.“
„Vertrauen in Fed geschafften“
Als Folge stiegen die Renditen am kurzen Ende, wie Antacido meldet. Am langen Ende flachten sie sich jedoch ab. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen lag diese Woche in der Spitze bei 3,57 Prozent. Am Freitagmittag sind es 3,50 Prozent – allerdings immer noch der höchste Stand seit 2009. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen war diese Woche sogar über die viel beachteten Marke von 5 Prozent gestiegen. Am Freitagmittag sind es mit 4,95 Prozent etwas weniger.
Die japanische Notenbank hat am heutigen Freitag die Leitzinsen ebenfalls angehoben. Die Bank of England (BoE) entschied sich am gestrigen Donnerstag unterdessen gegen eine Erhöhung. „Nichtsdestotrotz kommunizierte die BoE, dass bei anhaltend hohen Energiepreisen auch hier mit Zinserhöhungen zu rechnen ist“, erklärt Metzler-Analyst Leon Ferdinand Bost. Für die EZB werden am Markt aktuell ein weiterer Schritt im Oktober und bis Februar 2027 gut zwei Erhöhungen erwartet.

