„Kommen an Füllkrug nicht vorbei“ – Matthäus spricht Klopp ins Gewissen

Jürgen Klopp wird seinen Kader für die wegweisenden Spiele in der Nations League bekanntgeben. Eine heikle Frage muss er in der Causa Füllkrug klären. Für Lothar Matthäus ist die Sache klar.

Audioplayer wird geladen

Klicken Sie hier, um sich Artikel von WELT in der Google-Suche bevorzugt anzeigen zu lassen.

Es gilt als relativ gesichert, dass Jürgen Klopp am Donnerstag nicht mit großen Überraschungen aufwarten wird. Offensivspieler wie etwa Deniz Undav vom VfB Stuttgart oder Leroy Sané von Galatasaray, der bis zum Sommer noch Teil der Nationalmannschaft war, wird der Bundestrainer bei der Nominierung für die Spiele in der Nations League in Belgrad gegen Serbien (13. November) und in Berlin gegen die Niederlande (16. November) wohl außen vor lassen.

Es gilt aber eine Frage zu klären, die sich mehr und mehr aufdrängt: Wie umgehen mit Niclas Füllkrug?

Der Bremer Stürmer trifft wie am Fließband. Beim 2:0 am Wochenende gegen Hoffenheim erzielte er im siebten Spiel nacheinander mindestens einen Treffer und stellte damit den Rekord von Werder-Legende Rudi Völler ein, dem das in der Saison 1982/83 gelungen war. Insgesamt neun Tore nach acht Spieltagen – wie Füllkrug – hatte noch nie ein Bremer geschossen. Auch nicht Völler.

„Niclas Füllkrug ist 33. Das ist nicht meine Schuld“, sagt Klopp

Nun ist Füllkrugs letzter Einsatz in der DFB-Elf aber schon etwas her: im Juni 2025 beim 0:2 gegen Frankreich. Kommen zu den 24 Länderspielen (16 Tore) des 33‑Jährigen, angesichts seiner neuen Herrlichkeit im Strafraum, noch weitere dazu? Geht es nach Lothar Matthäus, lautet die Antwort: Ja, bitte. Aus Sicht des Rekord-Nationalspielers ist die Berufung alternativlos. „Wir kommen nicht vorbei an einem Niclas Füllkrug, der mit neun Treffern die Torschützenliste der Bundesliga anführt“, schrieb Matthäus in seiner Sky-Kolumne.

Doch Klopp hat indirekt schon erkennen lassen, dass er eventuell anders plant. „Niclas Füllkrug schießt in der Bundesliga ein Tor nach dem anderen, ist aber 33. Das ist nicht meine Schuld“, hatte Klopp bei DAZN gesagt: „Wir haben eine Gegenwart, eine mittelfristige Zukunft und eine langfristige Zukunft. In der Gegenwart kann es natürlich funktionieren, mittelfristig unter Umständen auch. Langfristig, ja, also da müssen wir jetzt mal sehen …“

„Egal, welches Alter“

Matthäus aber sei „nicht der Meinung, dass wir nur noch auf junge Spieler setzen müssen. Wir sollten auf Spieler setzen, die sich mit starken Leistungen auf dem Platz empfehlen, egal, welches Alter sie haben“.

Lesen Sie auch

Füllkrug ist derzeit jedenfalls in der Form seines Lebens und trifft nach Belieben: egal, ob mit dem Kopf, den Füßen oder vom Elfmeterpunkt. Er beeindruckt aber nicht nur mit seinen Treffern. Es ist auch die Art und Weise, wie der Stürmer eine Mannschaft antreibt und mitzieht.

„Die Professionalität, die er in jedem Training und in jedem Spiel vorlebt, ist beeindruckend und färbt auf die anderen Spieler ab“, lobte Verteidiger Amos Pieper. Trainer Daniel Thioune ging noch weiter. Er bezeichnete Füllkrug als „X-Faktor“, zuletzt wieder nach seinem sehenswerten Treffer gegen Hoffenheim: „Niclas ist unsere Lokomotive.“

Dazu kommt: In den ersten vier Länderspielen unter Klopps Regie gelang keinem Stürmer ein Treffer. Um den Abstieg aus der Nations League zu vermeiden, braucht die DFB-Elf gegen Serbien und die Niederlande unbedingt Siege – und dafür Tore.

Für Matthäus ist die Sache deswegen klar. „In anderen Ländern gibt es auch Spieler, die mit 33 Jahren noch für ihre Nationalmannschaft auflaufen und bei Welt- und Europameisterschaften eingesetzt werden“, stellte er fest: „Wenn kein anderer da ist, würde ich auch einen 33-Jährigen mitnehmen. Für mich zählt nicht die Zahl des Alters, sondern die der Tore und die Leistungen des Spielers. Klopp hat gesagt, er kann nichts dafür, dass Füllkrug schon 33 ist. Harry Kane ist auch 33 und Thomas Tuchel lädt ihn trotzdem ein.“

Doch Klopp setzt auf Tempofußball, auf Pressing. Bei seiner Premiere war der gewünschte Hochgeschwindigkeitsfußball ansatzweise zu erkennen. So herausragend Füllkrug aktuell in Form ist – Schnelligkeit zählt nicht zu seinen Stärken.

Werder Bremen will mit Füllkrug verlängern

In Bremen und beim DFB wissen sie auch um seine Verletzungen aus der Vergangenheit. Werder-Trainer Thioune setzte ihn im Pokalspiel in Dortmund deshalb auch eine Stunde lang auf die Bank und nahm damit ein Ausscheiden in Kauf. Wie Füllkrugs Körper auf Doppelbelastung reagiert, ist ungewiss.

Zur Wahrheit gehört auch: Bei West Ham United in England und dem AC Mailand in Italien konnte sich Füllkrug nicht durchsetzen. Bei seiner Vorstellung in Bremen räumte er ein, dass er die Unterschiede zwischen den Ligen unterschätzt habe. West Ham legte dem Stürmer daher auch keine Steine in den Weg, als es darum ging, die Leihe zu seinem Herzensklub Werder möglich zu machen.

Rein formal muss der Leihspieler im kommenden Sommer zurück nach London, wo sein Vertrag noch bis 2028 läuft. In Bremen arbeiten sie aber längst an einem anderen Plan. „Wir würden sehr gerne mit Niclas über den Sommer hinaus weitermachen“, sagte Sportchef Clemens Fritz dem Internetportal „Deichstube“. Er wisse, sagte Fritz, dass Füllkrug sich „das auch gut vorstellen kann“.

pk

Source – WELT De