Nach 90 Jahren taucht dieser giftige Affe im indonesischen Urwald plötzlich wieder auf
Er gilt als der einzige giftige Affe der Welt und war fast ein Jahrhundert lang verschwunden. Nun sammelten Forscher überraschende Belege für die Existenz des Bangka-Plumploris. Sein Biss kann lebensgefährlich sein – auch für Menschen.
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Fast ein Jahrhundert lang lebte der kleine Affe mit den großen Augen verborgen in den Tiefen des Urwalds. Nach fast 90 Jahren ist die als verschollen geltende Affenart jetzt auf der indonesischen Insel Bangka wiederentdeckt worden. Forscher des Alobi Wildlife Rescue Center haben mehr als 90 dokumentierte Nachweise des Bangka-Plumploris (Nycticebus bancanus) zusammengetragen. Seit 1937 war die seltene Primatenart von Wissenschaftlern nicht mehr in freier Wildbahn nachgewiesen worden.
Der Bangka-Plumplori gehörte deshalb zu den fünf verschollenen Primatenarten, nach denen die internationale Naturschutzorganisation „re:wild“ gezielt suchte. Die Tiere waren jedoch offenbar nie vollständig verschwunden. Über Jahre hinweg wurden Exemplare in einem Tierschutzzentrum auf Bangka abgegeben, versorgt und nach Möglichkeit wieder ausgewildert. Die dokumentierten Fälle lieferten nun den entscheidenden Hinweis auf das Überleben der Art.
Dass die Nachweise wissenschaftlich aufgearbeitet wurden, geht auf den deutschen Naturschützer Jochen Menner von der Taman Safari Prigen Conservation Breeding Ark auf Java zurück. Er machte den Biologen Timon Glaw vom Wiener Haus des Meeres auf die Arbeit der indonesischen Tierschützer aufmerksam.
Der Bangka-Plumplori ist ein nachtaktiver Primat, der sich langsam durch die Bäume bewegt und durch seine auffallend großen Augen gekennzeichnet ist. Trotz seines harmlosen Aussehens kann das Tier für Menschen gefährlich werden. Plumploris gehören zu den wenigen giftigen Säugetieren und gelten als einzige giftige Primaten.
An der Innenseite ihrer Oberarme besitzen die Tiere Drüsen, die ein Sekret produzieren. Bei Bedrohung lecken sie dieses auf und vermischen es mit ihrem Speichel. Durch einen Biss kann die Mischung beim Menschen schwere allergische Reaktionen bis hin zu einem lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock auslösen. Fachleute raten deshalb, Abstand zu halten und die Tiere nicht anzufassen. Um Verletzungen bei Besitzern zu verhindern, bricht man den Tieren oft die Zähne aus dem Gebiss.
Die Wiederentdeckung bedeutet allerdings keine Entwarnung für den Fortbestand der Art. Der Bangka-Plumplori kommt ausschließlich auf der rund 12.000 Quadratkilometer großen Insel Bangka nahe Borneo vor. Dort leben etwa eine Million Menschen. Bergbau, Brandrodung und die Ausweitung von Siedlungsflächen bedrohen die verbliebenen Wälder und damit den Lebensraum der Tiere.
Hinzu kommt der illegale Wildtierhandel. Plumploris werden in Teilen Asiens als exotische Haustiere nachgefragt und deshalb gefangen und verkauft. Nach Angaben des Forschungsteams wurden die geretteten Tiere in den größten noch vorhandenen Waldgebieten der Insel ausgewildert. Ausgewiesene Schutzgebiete gibt es dort bislang jedoch nicht.
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