Anleihen: Anhaltende Ausverkaufsstimmung


Fehlende Entspannungssignale aus Nahost, Inflationssorgen sowie immer höhere Aufschläge für Sorgenkandidaten wie Frankreich – die Nervosität an den Anleihemärkten ist extrem hoch. Renditen liegen teils auf dem höchsten Stand seit 2008 oder sogar 1998.
2. Oktober 2026. FRANKFURT (Deutsche Börse). Von Entspannung am Anleihemarkt kann keine Rede sein. „Der Ausverkauf am weltweiten Staatsanleihemarkt weitet sich aus“, berichtet LBBW-Analyst Martin Siegert. „Es geht drunter und drüber“, kommentiert Metzler-Analyst Leon Ferdinand Bost mit Blick auf die Renditen französischer Staatsanleihen nach Bekanntgabe der Haushaltspläne. Am Markt spricht man schon von „Bondpokalypse“ – einem massiven, weltweiten Ausverkauf am Anleihemarkt, mit rasantem Renditeanstieg.
Die höheren Renditen sind ein globales Phänomen. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen ist diese Woche in der Spitze bis auf 3,65 Prozent gestiegen, am Freitagmorgen sind es immer noch 3,48 Prozent – weiter der höchste Stand seit 2008. In Großbritannien erreichten die Renditen dreißigjährige Anleihen sogar den höchsten Stand seit 1998. In den USA bleibt die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen klar über der Fünf-Prozent-Marke, am Freitagmorgen sind es 5,25 Prozent.
Sorgen um USA und Frankreich
„Hinter all dem stehen nicht nur Sorgen um die Inflation, sondern auch um die Tragfähigkeit der Staatsfinanzen“, erklärt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. So entsprächen die Schulden der US-Bundesregierung mehr als 100 Prozent des BIP. „Die US-Schuldenquote ist damit bereits ähnlich hoch wie am Ende des Zweiten Weltkriegs“, stellt er fest. Sorgenkind der Eurozone ist Frankreich. Der Renditeaufschlag französischer Staatsanleihen gegenüber Bundesanleihen ist auf Niveaus gestiegen wie zuletzt in der Euro-Schuldenkrise 2012. „Gründe sind hohe Staatsschulden, politische Blockaden und Zweifel an der Haushaltskonsolidierung“, bemerkt LBBW-Analyst Siegert.
Angesichts der Inflationsentwicklungen werden sowohl für den Euroraum als auch die USA derzeit drei weitere Zinserhöhungen eingepreist. Bezüglich der USA schaut am heutigen Freitag alles auf den um 14.30 Uhr unserer Zeit anstehenden aktuellen US-Arbeitsmarktbericht – in der Hoffnung auf Signale zum Zustand der US-Wirtschaft und damit mögliche weitere Zinsanhebungen.

