Wochenausblick: „Erstaunlich unaufgeregt“


Der Wahlausgang ist zwar großes Thema, kann dem DAX aber nichts anhaben. Der ist weiter bestimmt vom Ölpreis und der ist zuletzt gefallen. Unabhängig davon stützten Unternehmensgewinne die Kurse, heißt es.
21. September 2026. FRANKFURT (Deutsche Börse). Nach den Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin steigt der Druck auf Bundeskanzler Merz zwar nochmals an. An den Börsen stehen die Zeichen wegen des etwas gesunkenen Ölpreises aber auf Erholung. Das Barrel der Nordsee-Sorte Brent wird am Montagmorgen zu knapp 102 US-Dollar gehandelt. Vergangene Woche waren es in der Spitze 109 US-Dollar.
Der DAX (DE0008469008) steht am Montagmorgen bei 25.500 Punkten nach 25.308 am Freitag zu Handelsschluss und 26.659 im Allzeithoch Ende August. „Saisonal bleibt der September ein schwieriger Monat“, kommentiert LBBW-Analyst Andreas da Graca. Zwischen 2000 und 2025 habe die durchschnittliche DAX-Performance bei minus 1,8 Prozent gelegen. „Mit einem Minus von rund 3,6 Prozent seit Monatsbeginn folgt der Index bislang diesem Muster in ausgeprägter Form.“
Die US-Märkte hatten am Freitag mehr oder weniger unverändert geschlossen und bleiben ebenfalls unter ihren Hochs. Auffällig: Der Bitcoin-Kurs ist auf 81.552 US-Dollar gestiegen. Dabei ist das von der Krypto-Szene erhoffte US-Gesetz zur Regulierung von Kryptowährungen im US-Senat vergangene Woche gescheitert.
„Unter zyklischen Aspekten noch Luft nach oben“
„Anleger zeigen sich erstaunlich unaufgeregt“, kommentiert Markus Reinwand mit Blick auf den immer noch hohen Ölpreis. Für Aktien spricht seiner Ansicht nach der gewisse Schutz vor Inflation. „Bei den Gewinnerwartungen für die kommenden zwölf Monate überwiegen sowohl weltweit als auch für die DAX-Unternehmen die Aufwärtsrevisionen, vor allem wegen positiver Signale für den globalen Industriezyklus“, erklärt er außerdem. Allerdings komme es in einem Umfeld steigender Zinsen typischerweise zu einer Bewertungskontraktion. Er hält es für unwahrscheinlich, dass nach der „Septemberschwäche“ eine dynamische Jahresendrally startet. „Insgesamt ist bei Aktien unter zyklischen Aspekten allerdings noch Luft nach oben.“
DWS erwartet DAX-Anstieg um 10 Prozent
Andre Köttner von der Fondsgesellschaft DWS blickt zwar ohne Euphorie, aber grundsätzlich zuversichtlich auf europäische Aktien. „In Sachen KI ist hier nicht viel zu holen“, bemerkt er. Jede Region habe aber ihre Stärken, in Europa lägen diese beispielsweise bei Gesundheitstiteln, Finanzwerten oder auch Versicherern. Auch im Maschinenbau und bei Luxusgütern werde er für seine langfristige Investmentstrategie fündig. Für den DAX hält er ein Plus von 10 Prozent auf Sicht von zwölf Monaten für realistisch. „Das liegt hauptsächlich daran, dass sich die Sektorengewichtung geändert hat“, erläutert er. Der Anteil von Auto- und Chemieunternehmen sei deutlich geringer als in der Vergangenheit. Das DWS-Kursziel für den DAX per September 2027: 28.600 Punkte.

