“Ein grausamer deutscher Klassiker”: Dieser knüppelharte Schocker basiert tatsächlich auf wahren Begebenheiten – jetzt neu im Heimkino


Mit „Blutiger Freitag“ hat „Ein Kaktus ist kein Lutschbonbon“-Regisseur Rolf Olsen einen rauen Klassiker des deutschen Exploitationkinos geschaffen. Diese Woche ist er einmal mehr auf Blu-ray erschienen.
Diese deutsch-italienische Koproduktion hangelt sich an wahren, brutalen Ereignissen entlang, die in Deutschland Schlagzeilen geschrieben haben: „Blutiger Freitag“ ist eine filmische Antwort auf eine Reihe an Banküberfällen und Geiselnahmen, die sich zu Beginn der 1970er-Jahre ereigneten. Stilistisch orientiert sie sich indes an einer italienischen Welle besonders harter, dreckiger und schmieriger Polizeifilme.
Das Ergebnis wird in Großbritannien mittlerweile als „ein grausamer deutscher Klassiker“ beworben und ist seit 2017 in einer neuen Fassung erhältlich, die rund fünf Minuten länger läuft als die Kinofassung aus dem Jahr 1972. Wenn ihr diesen schmuddeligen Thriller über Klassenkampf, Verzweiflung und Brutalität nachholen möchtet: Diese Woche hat „Blutiger Freitag“ eine limitierte Neuauflage auf Blu-ray erhalten.
Die auf 500 Exemplare limitierte Edition enthält als Extras eine Tour der Drehorte, eine Featurette über die Bemühungen, die in die Restaurierung von „Blutiger Freitag“ geflossen sind, sowie zwei Audiokommentare: In einem melden sich Filmkritiker Christian Keßler und Exploitation-Experte Pelle Felsch zu Wort, in dem anderen Audiokommentar sind Darstellerin Daniela Giordano und Schauspieler Giacomo Di Nicolò zu hören.
Darüber hinaus ist auf der Disc die Begleitdokumentation „Ein kalter Tag“ zu finden, die sich mit der Entstehung von „Blutiger Freitag“ befasst.
Darum geht es in “Blutiger Freitag”
Kurz vor seinem Gerichtstermin gelingt dem jungen Schwerkriminellen Heinz (Raimund Harmstorf) die Flucht aus dem Gefängnis. Statt die Füße still zu halten, plant er das nächste große Ding: Er will mit dem aus Italien stammenden Arbeiter Luigi (Gianni Macchia), dessen Verlobten Heidi (Christine Böhm) und ihrem Bruder Christian (Amadeus August), einem Bundeswehr-Deserteur, die Deutsche Finanzbank in Bayerns Hauptstadt überfallen.
Zu diesem Zweck erbeuten sie bei einem US-Militärtransport Maschinengewehre und Handgranaten. So glatt diese Aktion läuft, so rasch und schmerzlich eskaliert der Banküberfall: Nachdem ein Kassierer Alarm ausgelöst hat, nimmt das Quartett alle Anwesenden als Geisel und verlangt angesichts der Präsenz der Tochter des sogenannten „Kaufhauskönigs“ satte vier Millionen D-Mark als Lösegeld. Kurz danach kommt es zu einem Tod, der noch mehr Chaos auslöst…
Aus den Nachrichten gerissen und auf die Leinwand geschmiert
In den frühen 1970ern wurde Deutschland von einer Reihe brutaler, medienwirksam festgehaltener Banküberfälle erschüttert. Vor allem eine Geiselnahme in der Deutschen Bank am Kölner Dom Ende Dezember 1971 und der im August desselben Jahres erfolgte Überfall auf die Deutsche Bank in der Münchner Prinzregentenstraße gingen der Öffentlichkeit durch Mark und Knochen.
Daraufhin wurden sie von Regisseur/Autor Rolf Olsen sowie den ebenfalls fürs „Blutiger Freitag“-Skript zuständigen Valeria Bonamano & Fernando Di Leo als Vorlage für einen der prominentesten deutschen Exploitationfilme genommen: Der Film lässt bewusst eine feierliche Darstellung von Brutalität auf eine abgeschmackten, erschüttert-desolaten Milieuskizze prallen. Blut, Schweiß und Dreck schmerzen daher das Auge ebenso, wie die Figuren durch menschenverachtende Sprüche und herzlose Taten schocken.
Dass das übel enden wird, daran lässt Olsen, der auch mehrere Schundkomödien inszeniert hat, von Anfang an keinen Zweifel. Spannend ist „Blutiger Freitag“ dennoch, da sich die Frage aufdrängt, wie genau blank liegende Nerven, zwischenmenschliche Aggressionen und finanzielle Verzweiflung zur Katastrophe führen werden. Im Zuge dessen äußert „Blutiger Freitag“ bei all seiner stolz-widerwärtigen Exploitationunterhaltung auch so einige, treffende Sozialkommentare.
Einen aktuelleren, brachialen Action-Tipp findet ihr derweil in unserem folgenden Artikel:
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