„Ein Störenfried, ein Stinkstiefel“ – Matthäus rechnet mit Vinicius Junior ab
Am Samstag steht in München das Topspiel gegen den BVB an. Lothar Matthäus sieht den FC Bayern weit enteilt und hat einen Rat an Lennart Karl. Sehr deutlich geht er mit einem Superstar von Real Madrid ins Gericht. Dieser füge dem Verein Schaden zu.
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Mit dem Einzug ins Achtelfinale des DFB-Pokals feierte Borussia Dortmund in dieser Woche zumindest ergebnistechnisch eine gelungene Generalprobe für das Topspiel in der Fußball-Bundesliga gegen den FC Bayern in München am Samstagabend (18.30 Uhr/Sky und Liveticker auf WELT). „Zieht den Bayern die Lederhosen aus“, hallte es nach dem 3:2 gegen Werder Bremen durch das Dortmunder Stadion.
Auch die Bayern siegten im Pokal, 6:1 gegen den 1. FC Magdeburg. Lothar Matthäus hat die Partien verfolgt. Samstag wird er als Sky-Experte im Münchner Stadion im Einsatz sein. Donnerstagmittag sprach er im Hotel Vier Jahreszeiten in der Münchner Innenstadt in einer Medienrunde von RTL und Sky über …
… Harry Kane als Gewinner des Ballon d’Or:
„Er hat verdient gewonnen. Die Wahl war fair. Er hat für alles Verständnis, nimmt sich für alles Zeit, er ist ein Gentleman. Die Bundesliga kann stolz sein. Harry hat überragend gespielt. Was er für den FC Bayern bedeutet, ist enorm. Jeder respektiert ihn, er ist ein absoluter Führungsspieler. Ich bin zuversichtlich, dass er in den kommenden Wochen einen neuen Vertrag beim FC Bayern unterschreibt.“
… Vinicius Junior von Real Madrid:
„Ich bin gespannt, was Real Madrid jetzt mit ihm macht. Ohne ihn funktioniert Real besser. Lässt man ihn fallen? Das ist jetzt die Arbeit für José Mourinho: Was mache ich jetzt mit Vinicius Junior? Sie haben seit einigen Jahren mal wieder einen Clasico gegen den FC Barcelona gewonnen und performen ohne ihn. Er ist ein Störenfried, ein Stinkstiefel. Er tut der Mannschaft nicht gut. Sein ganzes Bild nach außen. Daher war ich froh, dass Vinicius Junior nicht unter den Top zehn des Ballon d’Or war. Das Problem von Real Madrid heißt Vinicius Junior. Er ist ein großes Ego. Das schadet dem Verein. Ich hoffe für den Klub, dass der Präsident klare Worte über ihn findet, dass er ihn zurechtweist oder Mourinho ihn mal auf die Bank setzt.“
…. den Zusammenhalt beim FC Bayern in einer Phase, in der Cheftrainer Vincent Kompany krank fehlt:
„Wie eine gute Familie, so kenne ich den FC Bayern auch schon zu meiner Zeit. Das sind Schockmomente, aber der FC Bayern rückt dann noch enger zusammen. Das hat man dann auch ja wieder gegen Magdeburg gesehen. Es ist der Cheftrainer nicht dabei, aber es läuft dann eben auch genauso ohne ihn wie mit ihm, weil man einfach zusammengefunden hat in den vergangenen Jahren. Und das ist das Wichtigste für eine Mannschaft oder für einen Verein, dass dann doch alle Parteien zusammenhalten – Spieler, Trainer, Funktionäre und die Fans ja auch. Das zeichnet den FC Bayern auch aus.“
… BVB-Trainer Niko Kovač:
„Niko Kovač ist für mich der richtige Trainer für Dortmund. Die Dortmunder spielen so, dass sie Erfolg haben. Unter Niko gibt es kontrollierte Offensive und stabile Defensive“.
… den Favoriten in dem Spiel:
„Zu Hause ist Bayern nicht nur favorisiert, sondern groß favorisiert. Bayern München ist meilenweit entfernt. Im nationalen Wettbewerb sind sie sowieso immer der Favorit, aber in der Allianz Arena immer noch ein bisschen mehr. Das siehst du auch von den Ergebnissen her in dieser Saison. Zu Hause haben sie ja auch schon gegen gute Mannschaften gespielt. Gegen zwei Champions-League-Teilnehmer, Leipzig und Stuttgart, und die haben elf Tore bekommen insgesamt.“
… den BVB im Vergleich zum FC Bayern:
„Dortmund hat einfach nicht diese Qualität im Gesamten. Guirassy ist ein Torjäger, aber alles drumherum hat im Endeffekt nicht die Qualität von Spielern wie Olise oder Diaz. Niko Kovač weiß, dass er nicht wie Barcelona spielen kann. Er weiß, dass er nicht wie Bayern München spielen kann. Da fehlt ihm einfach das Spielermaterial.“
… Lennart Karl, von dem Uli Hoeneß mehr Demut fordert:
„Da bin ich beim Uli, absolut. Der Lennart Karl soll sich auf Fußball konzentrieren. Der muss sich durchsetzen, und der muss seine Einsatzzeiten bekommen, da sind zehn Nationalspieler für vier Positionen. Uli meint es ja nicht böse. Er weiß ja, was sie an Lennart Karl haben. Aber der Spieler muss im Endeffekt fokussiert sein auf das, was man von ihm bei Bayern München erwartet. Alles andere kann er dann auch machen, wenn die Leistung stimmt.“
… die Schlüsselfaktoren für Karls künftige Entwicklung:
„Ein bisschen weniger Pink, ein bisschen weniger Social Media, ein bisschen mehr Leistung auf dem Platz, ein bisschen im Zweikampf mal nach hinten arbeiten, wie Diaz zum Beispiel. Er ist ein junger Spieler, und deswegen würde ich sagen: Gebt ihm ein bisschen Zeit! Ich glaube schon, dass er vom Talent her viel mitbringt, aber er muss es dann eben auch dementsprechend zeigen. Kleinigkeiten sind dann dafür verantwortlich. Kriegst du die Spielzeit, spielst du gegen die guten Mannschaften, spielst du gegen Barcelona, spielst du gegen Paris oder spielst du nur gegen eine Mannschaft, wo du auch vielleicht mit zwei, drei Spielern von der Bank gewinnst? Du merkst schon, bist du bei den ersten elf dabei oder bist du nicht dabei. Das siehst du, das merkst du, das fühlst du. Du musst Rückschläge verarbeiten und dann wieder angreifen, das ist das Wichtigste. Und dann hat Lennart Karl gute Voraussetzungen, zumindest ein Unterschiedsspieler zu werden.“
Julien Wolff ist Redakteur im Sportkompetenzcenter. Er berichtet für WELT seit vielen Jahren über den FC Bayern, die Nationalmannschaft sowie über Fitness-Themen. Er wird Samstagabend beim Topspiel im Münchner Stadion auf der Medientribüne sitzen.

